Wir denken nicht immer bewusst darüber nach, aber es wird in einer Vielzahl von Alltagsgegenständen verwendet. Die Rede ist von Gewinde.
Gewinde finden sich in Fahrzeugen und zum Beispiel in mechanischen Uhren – aber wir sprechen hier natürlich vor allem über das Gewinde, wie man es an Schrauben und Bolzen kennt.
In diesem Blogbeitrag werfen wir einen genaueren Blick auf die verschiedenen Arten von Gewinden.
Was ist Gewinde
Beim Wort „Draht“ denkst du vermutlich zuerst an etwas, das wie ein dünner Faden aussieht.
Stell dir nun vor, dass so ein „Faden“ spiralförmig um den Schaft einer Schraube oder eines Bolzens gewickelt ist – und ein fester Bestandteil dieses Schafts ist. Dann hast du eine ungefähre Vorstellung davon, worum es beim Gewinde geht. Ein Gewinde ist nämlich eine spiralförmige Nut, die sich um den Schaft einer Schraube oder eines Bolzens – also um einen zylindrischen Körper – windet. Bei Schrauben und Bolzen wird das Gewinde vor allem dazu verwendet, verschiedene Bauteile miteinander zu verbinden. In anderen Bereichen kann ein Gewinde allerdings auch dazu dienen, eine Drehbewegung in eine lineare Bewegung umzuwandeln. Das ist für unseren Zweck aber weniger relevant – wir konzentrieren uns auf die unterschiedlichen Arten von Schraubengewinden.


Welche Arten von Gewinden gibt es?
Es gibt verschiedene Arten von Gewinden. Warum? Weil unterschiedliche Anwendungen unterschiedliche Gewindetypen erfordern. Warum solltest du das wissen? Damit du das richtige Gewinde für dein Projekt auswählst – und somit eine möglichst feste und sichere Verbindung erreichst.
Metrisches ISO-Gewinde / V-Gewinde
In Europa verwenden wir am häufigsten das metrische ISO-Gewinde. ISO steht dabei für die „International Organization for Standardization“, die 1987 zusammen mit internationalen Fachgremien und Organisationen einen weltweit akzeptierten Standard entwickelte. Dieses Gewinde wird auch V-Gewinde genannt – wegen seiner kegelförmigen Form. Die Flanken dieses Profils laufen keilförmig aufeinander zu. Dadurch ist das Gewinde selbsthemmend und kann sich nicht von allein lösen. Bei metrischem ISO-Gewinde beträgt der Flankenwinkel 60° – also der Winkel zwischen zwei benachbarten Gewindegängen. Das metrische ISO-Gewinde wird bei Schrauben, Muttern und Gewindestangen verwendet und ist ideal für kraftschlüssige Verbindungen.
Feines metrisches ISO-Gewinde
Beim feinen metrischen ISO-Gewinde ist das Profil nahezu identisch mit dem des Standardgewindes. Es ist jedoch etwas weniger tief eingeschnitten, wodurch dieses Gewinde höhere Zugkräfte übertragen kann als das normale Gewinde. Feingewinde wird vor allem dort eingesetzt, wo weniger Platz zur Verfügung steht. Genau wie beim Standardgewinde beträgt der Flankenwinkel 60°.
Trapezgewinde
Trapezgewinde werden hauptsächlich eingesetzt, um rotierende Bewegungen in axiale Bewegungen umzuwandeln. Sie finden Verwendung in Druckern, Montagelinien und Gabelstaplern. Das Gewindeprofil entspricht einem gleichschenkligen Trapez, die Flanken haben einen Winkel von 15°, was zu einem Flankenwinkel von 30° führt. Trapezgewinde sind massiver gebaut und haben daher eine größere Steigung. Aufgrund der hohen Reibung ist dieses Gewinde selbsthemmend und löst sich nicht von selbst.
Whitworth-Gewinde / Rohrgewinde
Eine etwas andere Gewindeart ist das Whitworth-Gewinde, das ursprünglich aus Großbritannien stammt und das erste normierte Gewinde überhaupt war.
Auch heute noch findet es Anwendung, insbesondere bei Rohrverbindungen, z. B. an Duscharmaturen. Der Unterschied liegt im Flankenwinkel, der bei 55° liegt – im Vergleich zu den 60° des metrischen Gewindes. Dadurch ist Whitworth-Gewinde nicht kompatibel mit metrischem Gewinde. Whitworth-Gewinde gibt es als BSW – British Standard Whitworth (grobe Steigung) und BSF – British Standard Fine (feine Steigung).
Sägengewinde (Steilgewinne)
Weniger bekannt ist das sogenannte Sägengewinde (auch als Stützgewinde oder Steilgewinne bekannt). Dieses ist asymmetrisch und ähnelt im Querschnitt einer Sägezahnform. Durch diese Konstruktion können sehr hohe axiale Kräfte entlang der Gewindestange übertragen werden. Der Flankenwinkel liegt zwischen 30° und 45°. Sägengewinde werden häufig in Industriepressen, Hubsystemen sowie in Fräs- und Drehmaschinen eingesetzt.
Linksgewinde
Typische Anwendungsbeispiele sind:
- die Kontermutter eines Sägeblatts,
- das linke Pedal eines Fahrrads,
- die Befestigung von Ventilen an Gasflaschen.
Übersee: UNC- und UNF-Gewinde
Die Gewindearten UNC (Unified National Coarse Thread) und UNF (Unified National Fine Thread) kommen bei uns nur selten vor. Dabei handelt es sich um grobe bzw. feine Gewindearten mit einem Flankenwinkel von 60°. Ähnlich wie beim Whitworth-Gewinde wird der Außendurchmesser in Zoll angegeben – ebenso die Steigung des Gewindes. Diese Gewindearten werden hauptsächlich in Computerbauteilen verwendet.
Innen- oder Außengewinde
Darüber hinaus wird bei Gewinden zwischen Innengewinde (auch weibliches Gewinde genannt) und Außengewinde (auch männliches Gewinde) unterschieden. Die Idee dahinter ist, dass jede Gewindeverbindung aus einem Teil mit Außengewinde und einem Teil mit Innengewinde besteht.
Das Teil mit dem Außengewinde (männlich) wird dabei in das Teil mit dem Innengewinde (weiblich) eingeschraubt. Nur ein Innen- und Außengewinde, das die gleichen Eigenschaften und Maße aufweist, kann miteinander verschraubt werden, um eine feste Verbindung zu gewährleisten.
Gewinde erkennen
Die Gewindeart ist, mit etwas Übung, relativ leicht zu identifizieren. Für die exakte Bestimmung der Maße benötigst du jedoch eine Gewindelehre. Das ist ein Werkzeug mit mehreren Metallplättchen, die mit verschiedenen Gewindeformen versehen sind. Auf der einen Seite befinden sich alle metrischen Gewinde, auf der anderen Seite die englischen (Whitworth-)Gewinde.
Jedes Plättchen hat eine andere Gewindegröße. Indem du das passende Plättchen auf das Gewinde legst und prüfst, ob es überall exakt anliegt, kannst du feststellen, um welche Gewindegröße es sich handelt. Es kann ein wenig Zeit kosten, die exakte Gewindemaß zu finden – aber für eine stabile Verbindung lohnt sich der Aufwand.
Alles über Gewinde
Jetzt weißt du alles, was man über Gewinde wissen muss. Du kannst genau die richtige Gewindeart für dein Projekt auswählen – und bist damit auf der sicheren Seite, was eine dauerhaft feste Verbindung angeht.
Häufig gestellte Fragen
Was ist ein Innengewinde und ein Außengewinde?
Innengewinde bedeutet, dass sich in einem Bauteil eine Öffnung mit Gewinde befindet. Außengewinde bedeutet, dass sich das Gewinde außen an einem zylindrischen Teil befindet. Mit den passenden Maßen kann ein Teil mit Außengewinde in ein Teil mit Innengewinde eingeschraubt werden. Innengewinde wird auch als „weibliches Gewinde“ bezeichnet, Außengewinde als „männliches Gewinde“.
Was ist der Unterschied zwischen Innengewinde und Außengewinde?
Sowohl Innengewinde als auch Außengewinde sind mit Gewinde versehen. Zusammen bilden sie eine feste Verbindung, ähnlich wie ein Schloss und ein Schlüssel. Um bei diesem Vergleich zu bleiben: Das Innengewinde ist das Schloss und das Außengewinde der Schlüssel. Das Teil mit Außengewinde wird in das Teil mit Innengewinde eingeschraubt, um eine feste Verbindung zu schaffen.
Was ist der Unterschied zwischen UNF- und UNC-Gewinden?
UNC (Unified National Coarse Thread) und UNF (Unified National Fine Thread) Gewinde ähneln sich stark, aber bei UNF ist das Gewinde etwas weniger tief. Dadurch nimmt die gleiche Anzahl von Gewindegängen etwas weniger Platz ein, und es können auch auf kürzeren Strecken dennoch stabile Verbindungen hergestellt werden.
Wie erkenne ich, welches Gewinde ich habe?
Die Identifizierung einer bestimmten Gewindeart kann sehr schwierig sein. Der größte Unterschied zwischen den beiden am häufigsten verwendeten Gewindearten, nämlich dem metrischen Gewinde und dem Whitworth-Gewinde, liegt im Winkel des Gewindes. Dabei handelt es sich jedoch nur um einen Unterschied von 5° (60° beim metrischen Gewinde und 55° beim Whitworth-Gewinde). Am besten verwendet man daher ein Hilfsmittel, das Gewindelehre genannt wird. Damit kann man genau feststellen, um welche Gewindeart es sich handelt und welche Maße vorliegen.